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Kapitel 1

Hintergrundwissen

Kapitel 1

Hintergrundwissen

Das Diathese-Stress-Modell

Eine Depression bei Kindern und Jugendlichen entsteht nicht durch eine einzelne Ursache. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren, die zur Entwicklung einer Depression führen können – und diese Faktoren können sehr individuell sein.

Es gibt Kinder und Jugendliche, die ein erhöhtes Risiko für depressive Erkrankungen haben. Der Fachbegriff dafür lautet Diathese. Das bedeutet nicht, dass sie in ihrem Leben zwangsläufig eine Depression bekommen – es erhöht aber die Wahrscheinlichkeit. Auf dieser Annahme beruht das sogenannte Diathese-Stress-Modell, das häufig zur Erklärung depressiver Erkrankungen herangezogen wird. Nach diesem Modell kann sich eine Depression erst dann entwickeln, wenn zusätzlich zur Anfälligkeit noch Stress oder besondere Belastungen hinzukommen.

Was ist Stress?

Stress ist eine Reaktion auf Dinge, die wir als negativ erleben. Stress kann bei Kindern und Jugendlichen durch unterschiedliche Dinge und Probleme ausgelöst werden, z.B. durch Streit mit Freund*innen und der Familie, hohe Anforderungen an sich selbst oder wenn viele Aufgaben gleichzeitig bewältigt werden müssen.

Im Interview veranschaulicht Prof. Schulte Körne anhand von Fässern das Zusammenspiel von genetischen bzw. biologischen, psychischen und Stressfaktoren. Ein Fass, in dem Stress sicher abfließen kann, bedeutet, dass die betroffene Person gut mit Stress umgehen kann. Beispielsweise, indem sie bei viel Stress einen Ausgleich durch Sport, Entspannung oder positive Aktivitäten findet.

Einige Menschen haben von Natur aus ein fast leeres Fass, während andere aufgrund ihrer genetischen oder psychischen Diathese ein bereits teilweise gefülltes Fass haben.

Wenn jedoch zu viele Stressfaktoren gleichzeitig wirken, der Stress sehr ausgeprägt ist oder nicht genug Ausgleich stattfinden kann - dann läuft das Fass über.

Menschen gehen unterschiedlich mit Stress um. Manche lassen sich so gut wie nie stressen - nichts scheint sie aus der Bahn zu werfen. Andere geraten umso schneller in Stress und aus dem Gleichgewicht. Ebenso wie der Füllstand unterscheiden sich also die Strategien, mit verschiedenen Belastungen umzugehen und das Wasser so ablaufen zu lassen. Dieses Wissen ist im täglichen Umgang mit Schüler*innen und zum Verständnis des Krankheitsbildes der Depression wichtig.